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Lösungsfokussierte Gesprächsführung – meine aktuellen Lieblingsinteraktionen

Lösungsfokussierte Gespräche können sehr vielfältig sein. Der Fokus auf die gewünschte Zukunft, bereits Funktionierendes, kleine nächste Schritte ermöglicht eine grosse Vielfalt an möglichen Interaktionen in der Gesprächsführung. In den letzten 11 1/2 Jahren meiner lösungsfokussierten Gesprächspraxis haben sich meine Lieblingsinteraktionen immer wieder verändert. Obwohl kein Gespräch genau gleich abläuft, möchte ich euch trotzdem gerne meine aktuellen Lieblingselemente vorstellen, die sich v.a. in Gesprächen mit Fach- und Führungskräften bewährt haben, mit dem Bewusstsein, dass sich diese rasch wieder ändern können:

1.) Begin with the end in mind: „Stell dir vor, unser Gespräch/unsere Gespräche haben sich wirklich gelohnt und du bist in naher Zukunft genau dort, wo du stehen möchtest. Was wird dann anders sein? Was wirst du dann anders tun? Wofür wird es sich gelohnt haben heute zusammen zu sitzen?“ -> Nachfragen, z.b. mit „Was wirst du dann noch anders tun?“, mit dem Ziel ein möglichst detailliertes Zielbild zu ermöglichen und Ideen für nächste Schritte zu generieren.

2.) Funktionierendes Verhalten sichtbar machen und erkennen: „Ich bin überzeugt, dass du schon ganz viel getan hast resp. auch jetzt machst, was dich näher an dein Ziel bringt. Was hast du schon gemacht resp. machst du bereits, was funktioniert? Was noch? Was hast du sonst noch gemacht, was hilfreich war? Wann hat es besonders gut funktioniert? Was hast du dort getan?“ -> Nachfragen, z.B. mit „Was hat noch funktioniert?“, mit dem Ziel möglichst viel sichtbar zu machen, was funktioniert resp. bereits mal funktioniert hat. Ich lasse meine Gesprächspartner das Funktionierende i.d.R. auf einem Flipchart oder A4-Blatt aufschreiben, z.B. als Liste oder als Mind-Map.

3.) Kleiner nächster Schritte: „Was davon möchtest du in den nächsten Tagen ausprobieren resp. allenfalls vermehrt tun oder wieder tun? Woran resp. wie werden deine Mitarbeitenden/KollegInnen dies erkennen?“  -> allenfalls nach Situationen in nächster Zeit fragen, in denen dieses Verhalten geübt werden kann.

4.) Wertschätzende Rückmeldung: z.B. in folgender Form: „Mich beeindruckt, wie du … (bereits funktionierendes Verhalten benennen)… Dein nächster Schritt, …(Verhalten benennen)… stimmt mich sehr zuversichtlich, dass du in nächster Zeit deinem Ziel näher kommst/Fortschritte erzielst/weiter kommst.“

5.) Zu Münzwurf-Experiment einladen: „Ich möchte dich gerne zu einem Experiment einladen. Hast du Lust dazu? Es ist ein Prophezeiungsexperiment. Das Experiment geht wie folgt:  (Portemonnaie öffnen, eine Münze auswählen lassen, diese in die Luft werfen und wieder auffangen und mit der Seite starten, die oben liegt, z.B. mit Kopf) Du wirfst die Münze in den nächsten zwei Wochen jeweils am Morgen, wenn du aufstehst. Kopf bedeutet, dass die Münze prophezeit, dass du es an diesem Tag schaffst, etwas zu tun, was dich deinem Ziel näher bringt, z.B. das Verhalten, dass du oben als nächsten Schritt erwähnt hast, zu zeigen. Zahl bedeutet, dass du dies nicht schaffst. Am Abend schaust du auf den Tag zurück: Wenn die Münze am Morgen Kopf gezeigt hat und du es auch tatsächlich geschafft hast, bekommst du einen Punkt. Wenn Sie Zahl gezeigt hat und du es nicht geschafft hast, bekommst du ebenfalls einen Punkt. Also immer dann, wenn sich die Prophezeiung als richtig erweist, erhältst du einen Punkt. Am Ende der zwei Wochen sendest du mir ein Email mit der Anzahl Punkte, die du erreicht hast. Ok?“ – Das Experiment hat das Ziel, dass das Gegenüber den Fokus in der nächsten Zeit auf eine spielerische Art und Weise aufrecht erhält. Die Anzahl der Punkte ist dabei weniger relevant als die Tatsache, dass das Gegenüber in der nächsten Zeit seine (neuen) Verhaltensweisen freudvoll ausprobieren und üben kann.

6.) Zum Schluss – Hilfreiche Gesprächselemente bewusst machen: „Was war in diesem Gespräch für dich besonders hilfreich?“ -> Diese Frage hilft einerseits dem Gesprächspartner bewusst zu machen, was für ihn hilfreich und nützlich war. Oft kann dies dann auch bewusster im Alltag angewendet werden. Andererseits geben die Antworten dem Fragenden Hinweise für nützliche Interaktionen in Zukunft.

 

Ich freue mich sehr auf Rückmeldungen: Was funktioniert bei dir? Was für Erfolgsgeschichten hast du mit diesen lösungsfokussierten Interaktionen gesammelt?